Oberbaustoffe Schwellen Holzschwellen Blatt: 223-04 Trocknung und Rissbildung Holz ist ein natürlicher Werkstoff, der im Gegensatz zu synthetischen Werkstoffen nicht homogen aufgebaut ist. Dadurch entsteht die Vielfalt des Erscheinungsbildes, welches besonders an diesem ökologischen Werkstoff geschätzt wird. Diese Inhomogenität besteht sowohl in der Struktur, als auch in den Eigenschaften. Holz ist ein quellbarer, anisotroper Werkstoff. Anisotropie bedeutet, dass das Verhalten in den drei anatomischen Hauptrichtungen (längs, radial, tangential) nicht gleich ist. Quellung und Schwindung sind abhängig von der Holzfeuchteänderung, wobei Feuchtigkeiten oberhalb des sogenannten Fasersättigungspunktes von ca. 28-30 % ohne Einfluss sind. Holz ändert seine Materialfeuchte hauptsächlich durch die relative Luftfeuchte. Solange sich die Holzfeuchte oberhalb des Fasersättigungspunktes befindet, verändern sich beim Trocknen des frisch eingeschnittenen Holzes die Abmessungen nicht. Mit dem Unterschreiten dieses Punktes setzt die Schwindung ein, welche zu einer Veränderung der Ausgangsabmessung und zur Rissbildung führt. Auf dem Trockenplatz werden die Rohschwellen bis zum Erreichen der Tränkreife in zweckmäßiger Weise eingestapelt. Tränkreif ist ein Holz, dessen Zellen kein "freies" Wasser mehr enthalten, so dass die Einbringung des Schutzmittels durch die Kesseldruckimpränierung ungehindert vor sich gehen kann. Äußeres Kennzeichen für diese physikalischen Vorgänge ist ein starker Gewichtsverlust der Schwellen, verbunden mit einer natürlichen Trockenrissbildung auf Grund von Schwindungsvorgängen. Die Rissbildung ist also biologisch bedingt und daher unabwendbar, aber auch durchaus erwünscht. Risse erleichtern die Imprägnierung, fördern eine bessere Verteilung des Steinkohleteeröls im Holz und ermöglichen damit einen optimalen Holzschutz. Die Lieferung rissfreier Holzschwellen zu fordern, widerspricht den tränktechnischen Erkenntnissen. Derartige Holzschwellen können wegen der zu hohen Feuchte nicht ordnungsgemäß imprägniert werden, würden später im Gleis Trockenrisse bilden und so das ungeschützte Holz biologischen Schädlingen mit der Folge von Frühausfällen aussetzen. Zu starke Rissbildung wird durch eine Qualitätskontrolle ermittelt, wobei stirnseitige Rissbildung durch die vorgeschriebenen Sicherungsmittel wirksam eingeschränkt werden kann. Risse, sofern sie nicht die gesamte Schwelle durchziehen, schwächen die Festigkeit der Holzschwelle nicht. ohne Maßstab/Prinzipskizze Ausgabe 08 / 10 ThyssenKrupp GfT Gleistechnik